Am 27. Oktober hat sich der Bundestag zu einer aktuellen Stunde zusammengefunden. In Zeiten schwerster Krisen ging es um das neue Parteiprogramm der Linken. Das mag komisch klingen, scheint aber normal zu sein, dass sich ein Parlament mit dem Programm einer Partei auseinandersetzt. Anberaumt hatten die aktuelle Stunde die Regierungsfraktionen. Die Debatte ist sehr unterhaltsam und wird hier einfach mal dokumentiert:
Den Aufschlag der Debatte gab Dr. Pfeiffer von der CDU Baden-Württemberg, ja, genau der Landesverband, der einst den Nazimörder Hans Filbinger zum Ministerpräsidenten kürte. Man fühlte sich in die 50er Jahre zurückversetzt.
Stammtischfaktor: 4,0 Promille.
Für die Sonstigen sprach Patrick Kurth, der ein eindrucksvolles Beispiel für massive Bildungslücken in den Bereichen Geschichte und Politiktheorie präsentierte. Marx’ Arbeit am Kapital sieht Herr Kurth ganz im Sinne der Ideologie der Sonstigen als nutzlos, da nicht gewinnträchtig. Stattdessen musste Marx vom „Oligarchen“ Friedrich Engels leben. Der hat Gewinn gemacht, war aber wohl auch nicht gut.
Stammtischfaktor: 2,3 Promille
Kerstin Andreae von den Grünen musste ihren Weg zwischen Opposition zu schwarz-gelb einerseits und der Linken andererseits finden. Im Gegensatz zu den Vorrednern leider keine Bierzeltatmosphäre, aber manchmal etwas an die Bundestagsrede von Loriot erinnernd.
Stammtischfaktor: Latte Macchiato
Ullrich Lange von der CSU überzeugte durch Bewährtes: Die Linke hat das SED-Programm von 1976 nochmals aufgelegt und deswegen muss der Verfassungsschutz ran.
Stammtischfaktor: 1,9 Promille, nachts um drei müde auf der Burschenschafts-Kneipe aufs Taxi wartend.
Die Sonstigen schickten nochmal Heinz-Peter Haustein ins Rennen, der dank sächsischem Akzent die bekannten Zitate der DDR besonders unterhaltsam und authentisch rüberbrachte. Herr Haustein war übrigens seit 1980 Mitglied der LDPD – einer DDR-Blockpartei in der Nationalen Front, die, wie andere Blockparteien, die ideale Adresse für den karrierebewussten DDR-Bürger war, denn nur in LDPD und Co. war es relativ leicht möglich, irgendeines der zahlreichen Pöstchen auf Kommunalebene zu bekommen, weil auch die innerparteiliche Konkurrenz nicht so groß war. Seine LDPD-Mitgliedschaft hat er aber in seinem Lebenslauf glatt vergessen. Komisch.
Stammtischfaktor: 0,2 Promille dank Gläschen Rosenthaler Kadarka
Getrost überspringen darf man den Beitrag von Georg Nüßlein , denn Herr Nüßlein ist Mitglied der CSU und brachte Altbewährtes.
Stammtischfaktor: 0,5 Promille, abgestandenes Weißbier
Der Union gingen die grauen Herren aus und so ließ man auch mal den Nachwuchs ran. Nadine Schön zeigte ebenfalls die üblichen Bildungslücken in politischer Theorie, Geschichte und und und… Bekenntnisse nach Art der Volkskammer. Dafür Altbewährtes: das Haus von Oskar Lafontaine, der Porsche von Klaus Ernst und der Hummer (lecker!) von Sahra Wagenknecht. Achja, im Blog von „Halina Wanjersch“ soll die Post abgehen, sagt Frau Schön. Bitte um Hinweise.
Stammtischfaktor: 0,1 Promille
Schade nur, dass die Steilvorlage durch die schwarz-gelben Regierungsfraktionen von der Linksfraktion nicht genutzt wurde. Stattdessen begab man sich in weiten Teilen offenbar auf dasselbe Niveau herab und sorgte für eine Sounduntermalung wie auf dem Oktoberfest.
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